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PRIVILEGIEN
DER MACHT
Klimaschutz gilt nicht für Politiker-Flüge
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Weltmeister
im Klimaschutz will die Europäische Union werden. Deswegen soll auch
der internationale Flugverkehr in den Handel mit Verschmutzungsrechten
einsteigen, so ein EU-Vorschlag. Allerdings: Flüge von Staats- und
Regierungschefs der EU bleiben verschont.
Treibhausgas-Sektoren:
Die dreckigen Sieben
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Flugzeuge
sind Klima-Schufte. 3,5 Prozent des menschlichen Einflusses auf den Klimawandel
gehen inzwischen auf das Konto des weltweiten Luftverkehrs. Kohlendioxid
aus Flugzeugen ist bis zu fünf Mal so klimaschädlich wie das
aus Autos, weil es direkt in den oberen Schichten der Atmosphäre
freigesetzt wird. Von 1990 bis 2004 ist der CO2-Ausstoß von Flügen
innerhalb der EU sowie von ein- und ausgehenden Flügen um 87 Prozent
gestiegen.
Dennoch
ist der internationale Luftverkehr nicht Teil des Kyoto-Protokolls: Flieger
über Ländergrenzen hinweg können unbegrenzt Kohlendioxid
ausstoßen - während Inlandsflüge entsprechend der Kyoto-Vorgaben
für das jeweilige Land ihren Teil dazu beitragen müssen, den
Ausstoß von Treibhausgasen zu reduzieren.

Landendes
Flugzeug: Ausnahmen für Flüge von Monarchen, Staats- und Regierungschefs?
Dass
es so nicht weitergehen kann, ist auch der Europäischen Union klar,
die Weltmeister im Klimaschutz werden will. Also soll die Luftfahrt in
den Emissionshandel aufgenommen werden. Doch wirklich vorbildlich scheint
der Entwurf, den die Europäische Kommission am 22. Dezember 2006
vorgelegt hat, nicht zu sein.
Flüge
in offizieller Mission von regierenden Monarchen, Staats- und Regierungschefs
sowie den Ministern der EU-Mitglieder sollen nämlich nicht in den
Emissionshandel einbezogen werden. Fliegt Angela Merkel - Bundeskanzlerin,
EU-Ratspräsidentin und oberste Klimaschützerin der Nation, also
zum nächsten EU-Umweltgipfel auf Kosten des Klimas, während
Urlauber und Geschäftsreisende für Flugtickets draufzahlen müssen?
"Egal,
ob Abgas aus Billigflieger oder Monarchenjet kommt"
"Für
das Klima und den Umweltschutz ist es egal, ob das Abgas aus einem Billigflieger
oder einem Monarchenjet stammt", sagt Claus-Peter Hutter, Präsident
der Stiftung Europäisches Naturerbe. Und der EU-politische Sprecher
der Grünen-Bundestagsfraktion, Rainder Steenblock, ergänzt:
"Emissionen von Regierungsmaschinen sind genauso klimaschädlich
wie andere Flugzeuge." Deswegen sei die Ausnahmeregelung "absurd"
und "fatal". Es sei "generell richtig", den Luftverkehr
in den Emissionshandel einzubeziehen - auch wenn in diesem Fall der Steuerzahler
letztlich der Leidtragende sei.
Der
Handel soll so funktionieren: Jedem Flugzeugbetreiber in der Europäischen
Union wird eine bestimmte Anzahl an Emissionsrechten zugeteilt. Für
jedes einzelne dieser Zertifikate darf pro Jahr der Handelsperiode eine
Tonne Kohlendioxid ausgestoßen werden. Somit hat jeder ein bestimmtes
Limit für Luftfahrt-Emissionen. Wer weniger CO2 emittiert, kann die
restlichen Zertifikate an einer Art Börse versteigern; wer mehr ausstößt,
muss Verschmutzungsrechte zukaufen.
Auch
aus anderen Sektoren können die Flugzeugbetreiber Zertifikate kaufen.
Die Erlöse sollen die Kosten decken, die der Handel mit sich bringt,
und in den Klimaschutz investiert werden - zur Eindämmung von Treibhausgasen,
zur Anpassung an die Klimaauswirkungen, zur Finanzierung von Forschung
und Entwicklung. Dieses System soll ab 2011 für alle Flüge zwischen
zwei EU-Flughäfen gelten, ab 2012 dann auch für Flüge zwischen
EU- und Nicht-EU-Staaten.
Der
Richtlinienentwurf nennt keinen Preis für die Zertifikate. Also lässt
sich zunächst nicht sagen, um wie viel sich Flugtickets verteuern
würden. Unklar ist auch, wie sehr sich der Emissionshandel für
die Umwelt auszahlt.
Üblicherweise
kosten die Zertifikate 15 Euro je Tonne Kohlendioxid, das entspricht
3,8 Cent je Liter Kerosin. Sollten die Flugzeugbetreiber diesen Aufschlag
zahlen, würden die Flieger-Emissionen um etwa drei Prozent sinken,
so die Kalkulation der European Federation for Transport and Environment.
Weil der Sektor aber von Jahr zu Jahr mehr Treibhausgase ausstößt,
würde die Atmosphäre in der Summe nicht unbedingt weniger
verschmutzt als bisher - der Gesamtausstoß von CO2, Methan und
Co. werde sich auf dem Niveau von 90 Prozent über Stand von 1990
einpendeln. "Im Augenblick ist einfach keine große Minderung
erreichbar", so Grünen-Politiker Steenblock.
EU-Politiker
verschonen oder nicht? Abwarten
Etwa
17.000 Tonnen Kohlendioxid könnte allein die deutsche Bundesregierung
allerdings pro Jahr einsparen, wenn Beamte nicht ständig zwischen
den beiden Regierungssitzen Bonn und Berlin hin- und herflögen. Mit
sämtlichen Dienstreisen per Flieger oder Auto belasten deutsche Politiker
und Spitzenbeamte die Atmosphäre mit insgesamt rund 100.000 Tonnen
CO2 im Jahr, berichtete der "Stern" vor einem Monat.
Kurz darauf
beschloss das Bundeskabinett "klimaneutrale Dienstreisen":
Klimaschädliche Reisen sollen mit Zahlungen an Umweltinitiativen,
etwa für Solarprojekte in Indien, ausgeglichen werden. Bereits
heute würden unnötige Dienstreisen vermieden und etwa durch
Videokonferenzen ersetzt, sagte Bundesumweltminister Sigmar Gabriel
(SPD).
Doch Monarchen,
Staats- und Regierungschefs sowie EU-Minister werden für offizielle
Anlässe kaum auf moderne Telekommunikation oder die Bahn umsteigen.
Ob der EU-Rat die von der Europäischen Kommission vorgeschlagene
Ausnahmeregelung für Polit-Touren annimmt, ist nicht abzusehen.
Noch in diesem Halbjahr solle der Vorschlag im EU-Umweltministerrat
vorgelegt werden, sagt Michael Schroeren vom Bundesumweltministerium
zu SPIEGEL ONLINE. "Über die Ausgestaltung wird dann noch
zu beraten sein."
Von
Franziska Badenschier
Erschienen bei SPIEGEL Online am 24. März 2007
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